Legendär – dieses Merkmal trifft selten auf Popgruppen zu, doch die Bee Gees haben es sich wahrhaft verdient. Die Bee Gees – Barry, Robin und Maurice Gibb – mussten einen langen Weg zurücklegen von ihren bescheidenen Anfängen auf der Isle of Man. Sie entstammen einer musikalischen Familie – Vater Hugh war Bigband-Leader und Drummer, Mutter Barbara war Sängerin in einer Tanzband –, dennoch waren die Eltern nicht wenig erstaunt über das Talent ihrer Kinder.

Für die Brüder Gibb ist das gemeinschaftliche Singen so natürlich wie das Atmen. Als Barry neun und die Zwillinge Robin und Maurice sechs Jahre alt waren, begannen sie öffentlich aufzutreten, indem sie in einem kleinen Kino der englischen Industriestadt Manchester die damaligen Hits sangen. Nachdem die Familie nach Australien ausgewandert war, wurden die Jungen vom Rennfahrer Bill Goode und seinem Freund, dem Discjockey Bill Gates, „entdeckt“, als sie für ein paar Groschen während eines Autorennens sangen. Bill Gates fielen die gleichen Initialen von Barbara und Barry Gibb auf und taufte die Gruppe die „BG’s“. Ein Schallplattenvertrag, Auftritte in Nachtclubs, beim Radio und im Fernsehen waren die Folge.

Drei Alben und zahlreiche Singles später erlangten die Brüder als Teenager-Popgruppe Ruhm mit Spicks And Speck und landeten damit 1966 ihre erste Nummer Eins in den australischen Charts. Das mit diesem Song verdiente Geld nutzten sie, um wieder nach England zurückzukehren, wo sie vom mittlerweile legendären Impresario Robert Stigwood unter Vertrag genommen wurden, der damals Co-Direktor des Unternehmens war, das die Beatles managte.

Schon die ersten vier britischen Alben der Bee Gees enthielten haufenweise Hits wie New York Mining Disaster 1941, Massachusetts, To Love Somebody, Holiday, I’ve Gotta Get A Message To You, I Started A Joke, Lonely Days, How Can You Mend A Broken Heart. Zur gleichen Zeit wurden Songs der Bee Gees von einigen ihrer Idole wie Elvis Presley, Sarah Vaughn, Al Green und Janis Joplin aufgenommen.

Schon immer inspiriert durch R’n’B-Musik, begannen die Bee Gees in den 70er Jahren soulige LPs zu produzieren (Mr. Natural, Main Course, Children Of The World) mit Songs wie Jive Talkin’, Nights On Broadway, Fanny, You Should Be Dancing und Love So Right. Das 1977 erschienene Album Saturday Night Fever löste eine kulturelle Revolution aus und wurde zu einem der meistverkauften Soundtracks der Geschichte. Es enthielt Superhits wie Stayin’ Alive, Night Fever sowie How Deep Is Your Love und machte die Bee Gees zu einer der weltweit erfolgreichsten Gruppen. 1978 folgte Spirits Having Flown, die sich 20 Millionen mal verkaufte. Von den ausgekoppelten Singles dieser LP, Too Much Heaven, Tragedy und Love You Inside Out, gingen nochmals drei Millionen Exemplare über den Ladentisch.

In den 80er Jahren pausierten die Brüder von ihren öffentlichen Auftritten, um mit ihren Lieblingssängern zu arbeiten. Sie schrieben und produzierten Guilty, ein Album, für das Barbra Streisand mit einem Grammy Award geehrt wurde und welches drei Singles enthielt, die sich in den Top Ten der Charts platzieren konnten, einschließlich des Nummer Eins-Hits Woman In Love. Sie komponierten Chain Reaction für Diana Ross, das in Großbritannien die Nummer Eins wurde; Dionne Warwicks Heartbreaker sowie Islands In The Stream mit Dolly Parton und Kenny Rodgers, das zur erfolgreichsten Single in der RCA-Geschichte und zur meistgespielten Country-Single aller Zeiten avancierte. Ende der 80er Jahre kehrten sie auf die Bühne zurück. Nach dem Erfolg ihrer Singles Ordinary Lives, One und You Win Again gingen die Bee Gees auf ausverkaufte Tourneen durch drei Kontinente, um nunmehr drei Generationen ihrer Fans zu begeistern.

Das folgende Jahrzehnt war schließlich gekennzeichnet durch anhaltende internationale Erfolge mit den Hitalben High Civilisation sowie Size Isn’t Everything und dem 1997 erschienenen Still Waters (mit Alone, das weltweit unter den Top Ten rangierte). Das Jahr 1998 war geprägt durch das 30-jährige Jubiläum der Veröffentlichung der ersten Nummer Eins-Hits der Bee Gees und dem 20-jährigen Jubiläum von Saturday Night Fever. In London erlebte Saturday Night Fever als erfolgreiches Musical im berühmten Palladium seine Uraufführung. Die Bee Gees würdigten diese Ereignisse, indem sie nach einer Pause von zehn Jahren ihr erstes Konzert in Nordamerika gaben. Es trug den Titel One Night Only, wurde als weltweites TV-Special gefilmt und auf CD, VHS und DVD herausgegeben. Der riesige Erfolg veranlasste die Bee Gees, in der Saison 1998/99 eine Serie von One Night Only-Konzerten, die ausnahmslos ausverkauft waren, in verschiedenen Stadien zu geben. So traten sie im Dublin’s RDS- und im Londoner Wembley Stadion auf sowie in jeweils einem Stadion in Südamerika, Afrika, Asien, Neuseeland und Australien, wohin sie ebenfalls das erste Mal nach zehn Jahren zurückkehrten. Sie eröffneten das Olympiastadion in Sydney mit dem erfolgreichsten Popkonzert der australischen Geschichte – in Anknüpfung an ihre Jugendzeit und ihren ersten Erfolg als Schallplattenkünstler.

Die Bee Gees erhielten Auszeichnungen, die normalerweise nur am Ende einer langen Karriere vergeben werden. Aufgenommen in die Rock’n’Roll Hall of Fame, erhielten sie für ihr Lebenswerk Brit Awards, American Music Awards, World Music Awards, Awards der Australian Record Industry sowie einen Bambi.

Im Jahr 2001 meldeten sich die Gibb-Brüder gleich mit zwei neuen Alben zurück: Sie gaben „Bee Gees – Their Greatest Hits / The Record“ sowie „This Is Where I Came In“ heraus. Nach dem Tod von Maurice Gibb am 12. Januar 2003 wurde das musikalische Phänomen Bee Gees zur Legende, welche nach wie vor in den Hits des Musicals Saturday Night Fever weiterlebt: Nach einer dreijährigen Laufzeit (1999-2002) im Kölner Musical Dome ist die fulminante Tanzshow jetzt auf großer Europatournee – Get The Fever!

 


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